Vor einem Monat, zur Sommersonnenwende, ist er entstanden: Seelengezeiten. Mein See.
Ich habe ihn gegraben.
Ich habe ihn gefüllt.
Ich habe ihn gefeiert.
Dann, nach 7 Tagen, habe ich ihn noch einmal umgegraben.
Nicht, weil er mir nicht gefiel.
Sondern weil ich etwas erkannt hatte:
Diesen See habe ich für mich gegraben.
Und gestern, nach 1 Monat, hat er plötzlich ein Schild bekommen.
Ein kleines, klares Schild, das sagt:
Was ist das hier eigentlich?
Und die Antwort steht direkt am Ufer:
Ein Raum für aufwachende Seelen.
Mein See.
Wege mit Begleitung,
Landschaften zum Anschauen.
Es ist kein Zaun.
Es ist eine Einladung.
Manchmal fließt die Flut, und ich schreibe.
Manchmal ist Ebbe, und ich staune.
Mein See ist nun einen Monat alt.
Er atmet.
Und ich sitze an seinem Rand und staune, wie er lebt.
— Haijuan, ein Monat später
