Seelengezeiten

Ich – eine Chinesin und deutsche Wörter (24. Juli 2026)

Das Schild am See stand schon seit zwei Tagen.

Eigentlich war ich sehr zufrieden damit – ein klares Gefühl auf jeden Fall.

Heute habe ich es noch einmal durchgelesen und hatte ein merkwürdiges Gefühl:
Irgendwie passt es nicht ganz.
Also habe ich wieder angefangen, es zu ändern.

Bei der Beschreibung der „Gezeiten Splitter“ bin ich stehen geblieben: „Die Gezeiten Splitter sind Landschaften, die du einfach betrachten darfst.

Irgendetwas fehlt.

Ich habe „eintreten“ hinzugefügt – etwas besser, aber irgendwie holprig.

Vielleicht ein anderes Wort statt „Landschaften“?

Eigentlich sind es die Momente, die ich aufgeschrieben habe.

Momente?
Ecke?
Insel?
Ansichten?
Begegnungen?
Wellen nach Begegnung?
Nachklänge von Begegnungen?
Aus Begegnungen entstehen Wellen.
Wellen, die nach einer Begegnung sichtbar werden.


Ich fand kein passendes Wort, das genau beschreibt, was es ist.

Auf Chinesisch ist es viel einfacher.
Da drängten sich sofort mehrere passende Wörter auf – aber auf Deutsch:

Wie heißt eine kleinere Welle?
Das heißt dann „kleine Welle“. 😂

Es ist so … „armselig“, dachte ich.

Dann war es plötzlich da:
„eingefangene Wellen“ – Das ist es!

Die Gezeiten Splitter sind eingefangene Wellen.

Wow! Tatsächlich – ich habe es gefunden! Haha!

Und was ist dann mit den eingefangenen Wellen?
Hmm …
Die kann man vielleicht nachspüren.
Ja, da ist jetzt etwas Lebendigkeit drin.

Nein – man sagt: „ihnen nachspüren“.
Okay. Dann halt so:

Die Gezeiten Splitter sind eingefangene Wellen, denen man nachspüren kann.

Und nun steht sie da. Meine Tafel am See.

Darauf steht:

„Seelengezeiten ist mein See, den ich für mich selbst gegraben habe.
Jederzeit kannst du dich an sein Ufer setzen und ausruhen.

Die Gezeiten sind Wege mit Begleitung, die du buchen kannst.
Die Gezeiten Splitter sind eingefangene Wellen, denen du nachspüren darfst.

Haijuan – am Anfang der Seelengezeiten.“